Geschichte
bis 1988
Die Geschichte der Flora ist natürlich älter als die Besetzung. Ab den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts befand sich an diesem Ort ein Ausflugsgarten, und 1888 wurde der jetzt noch stehende Gebäudeteil als "Concerthaus Flora" erbaut. Der Name leitete sich von einem künstlichen Garten mit Hunderten Lampen in Blütenkelchen ab, der auf dem Gelände angelegt war. Das Gebiet um das Schulterblatt sollte auf Altonaer Seite der hamburgischen Reeperbahn Konkurrenz machen, neben der Schilleroper - damals als fester Zirkus erbaut - entstand im heutigen Flora-Park der Kristallpalast, eine grosse Glaskonstruktion, als Zentrum für Operette, Varieté und andere Vergnügunge.
Aber der Charakter eines Gebäudes ergibt sich immer nur aus den Menschen, die es nutzen. Dies scheint manchmal vergessen zu werden, wenn alte Stilelemente aus dem Programm der früheren Flora auch heute noch dann und wann genutzt werden, um dem besetzten Zentrum eine längere Kontinuität zu verleihen und sentimentale oder ironische Anschlüsse an vergangene Zeiten zu suchen. So hiess es 1990 in einem Flugblatt: "1964 wurde die ,Tradition' des Gebäudes als Kulturzentrum mit dem Einzug einer Haushaltswarenkette unterbrochen." - und 1989 wieder aufgenommen, wäre zu ergänzen.
Paul Lincke, bekannter Operettenkomponist Anfang dieses Jahrhunderts, dichtete zu der Blütezeit des Konzerthauses sogar einen "Flora-Marsch": "Dora - komm in die Flora die so viele Reize hat. Sie liegt am Schulterblatt, ist ganz in deiner Näh', das schönste Varietè"
Möglicherweise wäre bereits damals Widerstand gegen das Umstrukturierungsprojekt berechtigt gewesen, who knows? Zumindest wenn Veranstaltungen wie Militärmärsche abgehalten wurden oder andere nationalistische Jubelfeiern. Auswirkungen auf den Stadtteil hatte das Riesenvergnügungszentrum auch damals schon.
Die Geschichte des Gebäudes ist nach dem Ersten Weltkrieg eine Geschichte des langsamen finanziellen Abstiegs. Boxkämpfe, ein Kino und weiterhin Operetten- und Varietéaufführungen bestimmen den Charakter des unzweifelhaft beliebten Veranstaltungshauses. Ein Altkommunist benutzte es später als Beispiel für unpolitisches Verhalten: "Während die Kommunisten in diesen ersten Tagen von Hitlers Kanzlerschaft ihre Flugblätter verteilten, beschäftigten sich andere Eimsbüttler mit anderen Sensationen: (...) Im Varieté Flora am Schulterblatt treten ein Fakir und Austin, das boxende Riesenkänguruh, vor vollem Haus auf." (Helmut Warnke)
Den zweiten Weltkrieg überstand die Flora weitgehend unbeschädigt, der zweite Stock wurde erst in den fünfziger Jahren abgetragen. Da es an grossen Veranstaltungsorten mangelte, fand kurz nach dem Krieg eine Veranstaltung der politischen Verfolgten des Naziregimes statt - ein tatsächlich begründeter Anschluss an die Geschichte des Hauses. Die Zeit der grossen Varietés war jedoch vorbei, und die Flora wurde 1953 zum Kino umgebaut, das aber angesichts der Verbreitung des Fernsehers bald wieder einging. 1964, das Gebäude war von der Stadt gekauft worden, zog der Discountmarkt "1000 Töpfe" ein.
1988
Nach Bekanntwerden der Pläne für das Musical "Phantom der Oper" im Schanzenviertel gründet sich im Dezember 1987 eine Gruppe dagegen. Der Baumarkt '1000 Töpfe' zieht im Februar 1988 aus und das Gebäude wird kurzfristig inspiziert. Der bis dahin noch vorhandene Rest des sog. 'Kristallpalastes', dem Wintergarten des ehemaligen Theaters hinter dem Flora-Kopfbau, wird im April 1988 abgerissen und beseitigt. Danach kam es im Juni 1988 zur ersten Besetzung des nun entstandenen Bauplatzes. Die noch interessierten Investoren für Haus und Grundstück ziehen sich im August des Jahres zurück.
1989
Der Flora e.V. wird im Juli 1989 gegründet. Damit war der Weg frei für die Verhandlung mit der Stadt, um in der Ruine des Flora Theaters 2 Räume herzurichten und das erarbeitete Stadtteilkulturkonzept vorzustellen. Gelder und ein 6 Wochen Vertrag sind das Ergebnis. Nach Ablauf des Vertrages wird die Flora am 1.11.1989 für besetzt erklärt. Bezirksamtsleiter Strenge verzichtet aus uns unerklärlichen Gründen auf Räumung. Parallel zur Besetzung Gründet sich die STEG, eine GmbH der Stadtentwicklungsbehörde mit dem Auftrag alles und jeden zu integrieren und zu befrieden.
Wider Erwarten hat die Besetzung der Flora seit dem keine Räumung der Polizei nach sich gezogen. Trotzdem liess der erste polizeiliche Grosseinsatz nicht lange auf sich warten. Anlass war die sogenannte Silvesterdemo, die in der Jahren zuvor vom Hafen bis zum Untersuchungsgefängnis und zurück ging. 1989/90 nahm die Silvesterdemo - verboten, wie immer - ihren Ausgang an der Flora. Allerdings kam die Demo nur bis zum Neuen Pferdemarkt, um dort von einem polizeilichen Grossaufgebot gestoppt zu werden.
Die Demoleitung entschloss sich, zur Flora zurückzukehren. Begleitet von einem massiven Polizeispalier retteten sich die 800 Menschen bis vor die Flora, um dann beim Versuch, mit heiler Haut ins Gebäude zu gelangen, auf der Treppe fürchterlich zusammengeknüppelt zu werden. Mindestens 30 Menschen wurden durch diesen Schlagstockeinsatz verletzt. Noch monatelang zierten gespaltene Helme von DemoteilnehmerInnen und geborstene Polizeischlagstöcke mahnend die Volxküche.
1990
Nur ein halbes Jahr später lag die Flora bereits wieder im Blickpunkt des (polizeilichen) Interesses. Im Juni 1990 fand ein Kongress der Internationalen Handelskammervereinigung in Hamburg statt. Im Rahmen dieses internationalen Grossereignisses sollte die Eröffnung des Musicaltheaters "Phantom der Oper" gefeiert werden. Nachdem sich am ursprünglich geplanten Standort die BesetzerInnen eingenistet hatten, wurde der entstandene Betonbau mit dem Charme eines AKW "Neue Flora" getauft.
Das alles war Grund genug, mit den "Phantomenalen Tagen" eine einwöchige Gegenveranstaltung zu organisieren. Während die Demonstrationen gegen den Handelskammer-Kongress eher mässig besucht waren, geriet der Premierentag des "Phantom der Oper" zu einem Erfolg. Natürlich waren an diesem Tag alle Demos verboten worden und die Auftaktkundgebung vor der Roten Flora wurde durch ein massives Polizeiaufgebot mit Wasserwerfern aufgelöst. Listig gingen die Polizeihundertschaften in den Strassen rund um die Flora in Stellung, um jegliche Aktivitäten im Keim zu unterbinden. Derweil sickerten jedoch Hunderte von DemonstrantInnen in "Bürgerzivil" in Richtung Musicaltheater. Dies sollte mit seinen erlauchten Premierengästen durch ein massives BGS-Aufgebot von mehreren Hundertschaften geschützt werden. Doch der BGS hatte trotteligerweise den Einsatzraum (Holstenbahnhof) mit dem Bereitstellungsraum (Parkplätze am Volksparkstadion) verwechselt. Bis die Einsatzleitung diesen peinlichen Irrtum bemerkte, hatten schon einige hundert Premierengäste unvergessliche Eindrücke sammeln können, indem sie sich durch ein Spalier von DemonstrantInnen kämpfen mussten, die unmittelbar vor dem Musical vertretungsweise für den BGS Aufstellung genommen hatten. Bis die Hamburger Hundertschaften von der Roten Flora zur Neuen Flora verlegt waren, hatten die Journalisten bereits Dutzende Bilder von mit Farbe bekleckerten Premierengästen und diversen entglasten Luxuslimousinen im Kasten....
- Der Senat beschliesst den Bau von 114 Sozialwohnungen hinter der Roten Flora (41 wurden gebaut) Bezirksamtsleiter Strenge verkündet, dass "..es umstrittig ist, dass ein Stadtteilzentrum (in der Ruine) errichtet werden soll."
- 06.1990 Phantomenale Aktionstage gegen die Premiere des "Phantoms der Oper".
- 07.1990 Verfassungsschützer Chef Lochte kündigt Räumung an.
- 08.1990 HSV Hools greifen die Flora an und hatten Pech.
- 11.1990 STEG versucht Kontaktaufnahme- Eine Gesprächsbereitschaft mit den politischen Entscheidungsträger-Innen wird nicht ausgeschlossen.
- 12.1990 Christa Manz aus dem Flora Plenum wird als LKA-Spitzel enttarnt.
1991
- Längstes Transparent der Welt, zwischen Hafen und Flora
- 04.1991 Staatsgeld fliesst, 800,00 DM der Kulturbehörde für eine Wochenendtagung der Veranstaltungsgruppe.
- 05.1991 Der Florapark hinter der roten Flora entsteht, tonnen von Erde und Sand verteilt ganze Wälder gepflanzt.
- 23.7.1991 Der Park wird von einem Grossaufgebot der Polizei geräumt und zerstört. Es folgen Demonstrationen mit tausenden Menschen. Eine Hundertschaft BGS muss die Baustelle 24 Std. am Tag bewachen, trotzdem und nächtlichem Flutlicht fällt der betonierte Bauzaun zweimal um.
- 29.7.1991 Festnahme von Knut und Ralf. Ralf und Knut wird 300facher Mordversuch vorgeworfen. Sie sollen Gehwegplatten auf Schienen gelegt haben, um einen Zug zum Entgleisen zu bringen. Die folgenden sechs Monate U-Haft werden von einer beispiellosen Solidaritätskampagne begleitet, vielen Aktionen und wöchentlichen Knastkundgebungen vor dem Gefängnis in Itzehoe. Im Gerichtsverfahren stellt sich heraus, dass die zivilen LKA-Fander, die die Anzeige erstattet hatten, alles erlogen und erfunden hatten. Freispruch mit wehenden Fahnen, der Richter bekommt Wutanfälle wegen der Lügengebäude der Polizei. Das LKA hatte Ralf und Knut ursprünglich im Zuge einer RAF-Fahndung überwacht, weil ein Mitbewohner mal Mitbewohner eines Verdächtigen war.
- 6.000,00 DM Entschädigung vom Bezirk für die zerstörten Bäume des Parks und die wiederverwendete Muttererde.
- 11.1991 An einem neuen Florakonzept wird gearbeitet. Die Forderung nach Sanierungsgeldern ohne Bedingung zur Wiederherstellung des Zustandes vor den Abrissarbeiten 1988 ist unstrittig.
- Erster grosser Konflikt mit der Hafenstrasse. Hafen plant Solifest "Viva St.Pauli" am Millerntorstadion. Flora lehnt die Unterstützung ab, weil überdimensioniert, Verkehr und Touristen werden herangezogen.
1992
In der Jahresmitte 1992 verlangte die Stadt Hamburg von der Roten Flora die Zustimmung zu einer vertraglich geregelten Gebäudenutzungsvereinbahrung. Der Senat nannte dies "das letzte Angebot" an die Flora, obwohl es in Wirklichkeit das erste gewesen ist. Die Stadt wollte den besetzten Zustand der Flora beenden. Darüber hinaus sollte der Roten Flora ein Teil des Gebäudes weggenommen werden. Dieser Gebäudeteil sollte zunächst das gesamte erste Stockwerk umfassen.
Verhandlungsführerin seitens der Stadt war die damalige Stadtentwicklungssenatorin Traute Müller (SPD). Erklärtes Ziel war, eine Kindertagesstätte(KiTa) im ersten Stock der Flora einzurichten. Es hat sich dabei wohl um die KiTa gehandelt, welche zunächst in den Neubauten der Juliusstr. untergebracht werden sollte und dort zugunsten einer Tiefgarage nicht verwirklicht worden ist. Das Ausspielen "sozialer" Interessen gegen die Rote Flora durch die Stadt vor der Öffentlichkeit war also nicht neu.
Die Kindertagesstätte sollte von einem eigenständigen Träger verwaltet werden. Aber auch die Trägerschaft des Erdgeschosses und des Kellers durch die RotfloristInnen war fraglich, da der Senat auch die Eigenschaft als Stadtteilkulturzentrum in Frage stellte.
Ob aber überhaupt mit der Stadt verhandelt werden sollte war innerhalb der Flora umstritten:
Eine Position in der Roten Flora war, dass es keinen Grund gab und gibt mit der Stadt über die Gebäudenutzung zu verhandeln. Im Gegenteil, die Stadt hatte das Gebäude zum grossen Teil zerstört und wollte hier ursprünglich ein Kommerzmusical einrichten, welches das gesamte Schanzenviertel im Handumdrehen komplett aufgewertet und dazu geführt hätte, dass die Menschen, die hier vorher gelebt haben, vertrieben worden wären. Die Stadt sollte also nur das Geld für die Gebäudesanierung rüberschieben und sich ansonsten fernhalten. Bevor mit der Stadt über Fragen der Gebäudenutzung verhandelt würde, würde man lieber die Auseinandersetzung auf der Strasse suchen, die Menschen überzeugen und die Rote Flora als linksradikales besetztes Zentrum politisch auf der Strasse durchsetzen.
Eine andere Position stellte den Erhalt der Roten Flora als politisches Zentrum in den Vordergrund, auch wenn dabei Abstriche gegenüber der Stadt hingenommen werden müssten. Geleitet wurden diese Erwägungen davon, dass das Zentrum zwar besetzt, aber deshalb nicht vollkommen ausserhalb der gesellschaftlichen Ordnung steht. So bezahlt die Rote Flora zum Beispiel von Anfang an Müllgebühren sowie Strom und Wasser. Zudem glaubte man nicht, einem Kräftemessen mit der Staatsgewalt einem Jahr nach der Parkräumung gewachsen zu sein, so dass man einer Gebäuderäumung letztlich wenig entgegenzusetzen gehabt hätte. Die Frage war dann nur noch, welche Konzessionen man an die Stadt machen würde. Es wurde auch hingenommen, dass eine Vertreterin der Stadt, die Senatorin Müller, das Gebäude offiziell begeht. Das war damals ein heftig umstrittener Umstand, der dazu führte, dass einzelne Floragruppen ihr den Zutritt zu "ihren" Räumen verweigerten.
Diese Position konnte sich darüber hinaus auch auf die Vorgeschichte berufen, dass es von Anfang an die Forderung gewesen ist, mit den "politisch Verantwortlichen" zu reden und nicht mit vorgeschickten Unterhändlern Kompromisse auszuhandeln, die dann doch nur von deren Vorgesetzten aufgehoben werden. Insofern war die Position "Kein Weg mit der STEG" zu dem Zeitpunkt erfolgreich durchgesetzt, als sich die Stadtentwicklungsbehörde (STEB), vertreten durch die Senatorin selbst, Verhandlungen mit der Roten Flora führte und die dafür eigentlich vorgesehene Stadtentwicklungsgesellschaft (STEG) als blosses Befriedungsinstrument der Stadtverwaltung bezeichnet und behandelt wurde.
Das erste Treffen zwischen STEB und Flora fand am 7.9.92 im Altonaer Rathaus statt: Dort legten beide Seiten ihre wesentlichen Eckpunkte dar, um die es in den Verhandlungen gehen konnte: Die Rote Flora stellte klar, dass die Flora ein seit drei Jahren existierendes Stadtteilkulturzentrum ist, und es eine Nutzung durch Krabbel- und Kindergruppen nur innerhalb des bestehenden Konzeptes der Roten Flora geben kann. Die Senatorin Müller stellt die Eigenschaft der Flora als Stadtteilkulturzentrum in Frage. Eine solche Nutzung würde erfordern, dass die Flora für "alle" Menschen offen sei. Zudem habe die Flora einen zweiten Träger im Gebäude zu akzeptieren.
Am 21.9.92 fand eine Ortsbegehung von Senatorin Traute Müller und dem damaligen Bezirksamtsleiter von Altona, Strenge, in der Flora statt. In diesem Zuge wurde ihnen das Gebäude gezeigt und das bestehende Nutzungskonzept übergeben. Einzelne Gruppen machten ihre Räume allerdings nicht für die Begehung zugänglich. Es blieb auch das einzige Treffen in der Flora während der Verhandlungen.
Am 24. 9.92 fand ein weiteres Treffen mit Senatorin Müller im Altonaer Rathaus statt. Der Ortstermin hatte wohl bewirkt, dass die Rote Flora als Stadtteilkulturzentrum anerkannt wurde. Es ging dann um die zweite Trägerschaft einer Kindertagesstätte im ersten Stockwerk des Gebäudes, welche Gegenstand der Verhandlung blieb.
Diese Schwierigkeiten brachen dann am 24.11.92 auf, als Müller Vorgaben von Voscherau bekommen hatte, der Flora das erste Stockwerk als einen politischen Preis abzunehmen. Zwischendurch bestand die Einschätzung, die zweite Trägerschaft im Gebäude sei vom Tisch. Es ging an diesem Punkt nicht mehr um Sachfragen, sondern nur noch um ein Politikum zwischen dem SPD-Senat und der Roten Flora. Dies wurde um so deutlicher, als die Rote Flora mit einem KiTa-Anbau ein weiteres Kompromissangebot vorschlug.
Der KiTa-Anbau in der Baulücke neben dem alten Druckraum: Dieser Vorschlag basierte auf der Annahme, dass die Flora auf den ersten Stock nicht verzichten kann. Allerdings wäre eine Anbauvariante neben dem Gebäude akzeptabel. Ausserdem wurde die Stadt mit diesem Vorschlag unter Druck gesetzt, sich dazu auch zu äussern. Zudem konnten hier organisatorisch zwei Trägerschaften in zwei Gebäuden eingerichtet werden. Die Rote Flora würde also als Einheit bestehen bleiben.
Der Anbau war jedoch bereits für eine Gruppe bereits zuviel Zugeständnis an die Stadt, und sie trat aus den Florastrukturen aus. Das Angebot des Anbaus sollte nach Müller gleichfalls nicht ausreichen, um die vom Senat offiziell gemachte Vorgabe 60 KiTa-Plätze zu schaffen, zu erfüllen. Die Rote Flora sollte sich das mit der zweiten Trägerschaft doch noch einmal überlegen, da ansonsten der Senat die Verhandlungen als gescheitert einstufen würde. Zu diesem Zeitpunkt stand aber fest, dass es eine zweite Trägerschaft in dem Gebäude der Roten Flora nicht geben würde.
Ein weiteres Gespräch gab es dann dennoch am 22.12.92. Während Müller nicht müde wurde, zu betonen, dass eine vertragliche Lösung für die Flora nur durch die Akzeptanz eines zweiten Trägers in dem Gebäude gewährleistet werden könne, legte Bezirksamtsleiter Strenge Bauplanungszeichnungen auf den Tisch, wie ein Anbau mit zweiter Trägerschaft doch realisiert werden könnte: "eine organisatorisch und räumlich getrennte Tagesstätte, die in einem Anbau zwischen Roter Flora und Weisser Ecke und einem Teil des Obergeschosses der Roten Flora arbeiten soll. Wir sollen durch einen Raum im Anbau, neben der Vokü, einen Teilausgleich für unseren Raumverlust im ersten Stock bekommen. Zwischen den Räumen der KiTa und der Roten Flora sollen massive Wände stehen, so dass es sich dann faktisch um zwei Gebäude mit eigenen Eingängen, Treppenhäusern etc. handeln würde. Das Büro, der Radio St. Paula Raum [heute: Farbzelle], der Offset-Raum [vormals Sani-Raum heute: Jump-Raum], der Olaf Ritzmann Raum, zwei Drittel des Schlafraums [heute: Archiv] und mehr als ein Drittel der oberen Halle werden uns weggenommen."
Wenngleich die Raumverluste für diese Vorgabe sehr schmerzlich waren, so wurde es doch als Erfolg angesehen, dass der zweite Träger im Gebäude wohl vom Tisch war, und dieser Vorschlag getrennte Mietverträge und getrennte Räumlichkeiten vorsah.
Was tun mit dem Strenge-Vorschlag? Sich darauf einlassen? Ob aber diese Kröten geschluckt werden sollten oder nicht war in der Zeit Anfang 93 umstritten. Sich auf den Vorschlag einlassen war eine Position, die auf der Einschätzung basierte, dass dem Kräfteverhältnis nach bereits eine Menge erreicht worden ist, und sich eine weitergehende Verteidigung über diesen Vorschlag hinaus nicht realisieren lassen würde. Mehr als eben nur einen Teil der Flora zu behalten ist nicht drin. Und: Ein Zentrum wie die Flora ist zu wichtig, als das es wegen ein paar Quadratmetern aufgegeben werden soll.
Die meisten NutzerInnen wollten aber den Vorschlag nicht akzeptieren. Die zu schluckenden Kröten galten als zu gross. De facto bedeutete dies, dass Gruppen konkret die Möglichkeit genommen worden wäre, sich in der Flora zu treffen. Die Räume waren teilweise auch schon anderweitig für politische Initiativen (z.B. Archiv der sozialen Bewegungen) verplant, so dass eine Nutzung durch eine vom Senat aufoktruierte KiTa hier nicht mehr in Betracht kam. Die obere Halle wäre als Veranstaltungsraum für Kabarett oder auch Plena weggefallen. Die Vorgabe des Senates, der Roten Flora um jeden Preis etwas wegzunehmen, war auch in diesem Vorschlag noch deutlich zu erkennen.
Die gemeinsame Position, wie mit diesem Strenge-Angebot umzugehen sei, war schliesslich, ihn als eine Diskussionsgrundlage zu betrachten, über die weiter verhandelt werden sollte. Dies wurde der STEB auch in Form einer Stellungnahme mitgeteilt. Diese Stellungnahme wertete die STEB jedoch als Zustimmung zu dem vom Bezirksamtsleiter Strenge am 22.12.92 vorgelegten "Kompromiss". Auf eine hinterhergeschickte Richtigstellung, dass es sich bei der Erklärung nicht um eine Zustimmung, sondern um eine Diskussionsgrundlage handelte, von der aus weiter verhandelt werden müsste, ging die Behörde nicht mehr ein. Müller bestätigte lediglich noch einmal schriftlich, dass sie weiteren Verhandlungen nicht mehr nachkommen wird.
Als ein Ergebnis der Verhand-lungen lässt sich also formulieren, dass die STEB einen Vorschlag zur Vertragsgestaltung im Senat vorlegen wollte, welchem die Rote Flora zu keinem Zeitpunkt zugestimmt hat.
Die letzten offiziellen Kontakte gab es im Januar`93. Auf Anfrage teilte der Referent von Senatorin Müller im Juni noch einmal mit, dass es eine Entscheidung zur Roten Flora im Senat nicht mehr vor der Bürgerschaftswahl am 19.9.93 geben würde. Danach hat die Rote Flora bezüglich eines Verhandlungsangebotes offiziell nie wieder etwas von der Stadt gehört. In der zurückliegenden Zeit gab es lediglich einige Verlautbarungen, dass der jetzige Bezirksamtsleiter von Altona "Handlungsbedarf" bei der Roten Flora sieht. Ausserdem gab es von Bezirksamtsseite aus auch den Versuch, die Patriotische Gesellschaft als Vermittlerin zwischen Flora und der Stadt einzuschalten. Irgendetwas wird also passieren, und gemessen an den Erfahrungen von 1992 kann dies auch sehr schnell geschehen. Ob die Gespräche sich dann aber auf die in der Zwischenzeit sieben Jahren zurückliegenden Verhandlungen beziehen wird oder nicht, bleibt abzuwarten.
Traute Müller hielt sich noch ein paar Monate im Amt. Dann allerdings wurde ihr Ehemann der Stasi-Mitarbeit überführt. Sie trat daraufhin zurück. Ihre Amtsnachfolger Peter Mirow (bis 1997) und Wilfried Mayer meldeten sich nicht bei der Roten Flora. Hans-Peter Strenge, damals Bezirksamtsleiter von Altona, wurde Chef der Senatskanzlei im Hamburger Rathaus. Sein Nachfolger hiess Uwe Hornauer.
- 05.1992 Rote-Flora-Rückwand entsteht, grosse Bau-Aktion mit ehrenamtlicher Hilfe der Gesellenvereinigung "Axt & Kelle".
- 08.1992 Die ,Nationale Liste' veröffentlicht die Flora im "Index", einem Katalog anschlagsrelevanter Objekte und Personen. 1993 folgt ,Der Einblick'. In beiden Veröffentlichungen wird die Flora zumindest für Hamburg in den Vordergrund gestellt.
- 05.1992 Festlegung des Sanierungsgebietes rund um die Flora. STEG stellt ihr FLORA-Gutachten vor.
- Das Archiv der Sozialen Bewegungen entscheidet sich, in die Rote Flora zu gehen. Der grosse Schlafraum im ersten Stock wird dafür umgebaut.
- 08.1992 Erste Verhandlungen mit Innensenatorin Traute Müller.
- 12.1992 Die Gespräche sind gescheitert.
- Im Laufe des Jahres erscheint erstmalig die Flora-Zeitung ,Zeck'
- Trotz Vermittlungsgesprächen stellen sich die alten Zeiten mit der Hafenstrasse nicht wieder ein.
1993
Es gab einen Demoeinsatz der Polizei 1993 anlässlich einer Demonstration gegen die rassistischen Morde in Solingen. Nachdem es bereits auf dem Weg der Demo von der Innenstadt ins Schanzenviertel immer wieder zu zum Teil heftigen Strassenschlachten gekommen war, setzten sich die Zusammenstösse im Viertel und vor der Flora fort: direkt vor der Flora wurden aus Sperrmüll und Baustellen-Equipment Barrikaden errichtet, die von einem Grossaufgebot der Polizei, unterstützt von zwei Wasserwerfern, angegangen wurden. In der Folge wurde dann die Flora von mehreren Hundertschaften umstellt, vor dem Hauptportal postierten sich zwei Wasserwerfer. Mehrere hundert Menschen sassen zunächst im Gebäude fest. Die Polizei kündigte an, alle Personen, die die Flora verlassen wollten, vorläufig festzunehmen. Nachdem die Polizei dann aber fast 2 Stunden wie die Katze vor dem Mauseloch sass, zog sie sich dann doch zurück, ohne dass es zu einer weiteren direkten Konfrontation gekommen wäre.
- 01.1993 Die Bezirksversammlung legt sich auf Flora e.V. als Träger für Stadtteilkultur fest.
- 27.1.1993 Traute Müller teilt mit, dass ihr Architekt die Anbauvarianten durchrechnet. Die Verhandlungen bleiben hier stecken, da Traute Müller aufgrund einer StaSi-Verwicklung ihres Mannes zurücktritt.
- 08.1993 Die STEG stellt den letzten teil ihrer Voruntersuchung für das Sanierungsgebiet vor: Nutzung der Roten Flora für Gemeinbedarf/ Stadtteilkultur. Unter Ergänzung eines Anbaus soll auch Kinderbetreuung realisiert werden.
- Der Förderverein wird gegründet, um die Rote Flora von den Veranstaltungseinnahmen unabhängiger zu machen.
- Nach einem Jahr Diskussion wird der Alkoholverkauf bei Veranstaltungen erlaubt. Fleischverkauf bleibt verboten
- Die "Radikale Scheisse Gruppe" wirft der Roten Flora Ignoranz gegenüber Obdachlosen vor, die im Winter frieren und nicht in der Roten Flora schlafen dürfen. Der Gruppe wird zugestanden, den Leoncavallo-Raum zu nutzen. Nach etwa 2 Wochen geben die Initiatoren das Projekt im Streit auf.
- Nachdem die Hafenstrasse nicht der Forderung der Roten Flora und verschiedener Frauen/Lesbengruppen nachkommt, sich von einem ihrer Anwälte zu trennen, verhärtet sich der Bruch. Der Anwalt übernahm das Mandat für einen Vergewaltiger und Mörder.
1994
- amnesty international erwähnt die ,E-Schicht' aufgrund zahlreicher Vorfälle im internationalen Folterbericht. Ermittlungsverfahren gegen ihre Mitglieder werden grundsätzlich eingestellt.
- 02.1992 Die Kabarett-Gruppe ,Heiter bis Wolkig' liefert in der Roten Flora einen unsäglichen, sexistischen Auftritt ab, der zu monatelanger Diskussion und bundesweitem Boykott der Gruppe führt.
- Der St. Pauli-Fanladen, der ,Übersteiger' und die Gruppe Slime solidarisieren sich mit HbW. Buttersäure im Fanladen, endgültiger Bruch mit der Roten Flora.
- 07.1994 Eine gemischte Gruppe kappt im Darkroom einer schwul-lesbischen Party das Kabel des Videorekorders. Vorwurf: Es wurden schwule Pornos gezeigt. Die Flora wird der Schwulenfeindlichkeit bezichtigt.
- 10.000,00 DM Clubprämie von der Kulturbehörde für ein aussergewöhnliches Kulturprogramm im Jahre 1993.
- 07.1994 Hakenkreuze und vier Molotowcocktails gegen die Volksküche der Roten Flora. Zum Glück sind rechtzeitig Menschen zur Stelle, um die Feuer zu löschen.
1995
Ein Grosseinsatz der Polizei im Juni 1995 im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Kriminalisierung der Zeitung "radikal" an der Flora führte zu massiven Auseinandersetzungen. Im Laufe des Tages war bereits eine Demo durch die Polizei aufgelöst worden, an der Flora formierte sich kurz darauf eine erneute Spontandemo. Bevor diese Demo sich in Bewegung setzen konnte, wurde sie von der Polizei angegriffen. Es kam zu Steinwürfen, Schlagstockeinsatz und Festnahmen. Zwei Menschen wurden dabei von Angehörigen des Einsatzzugs Mitte am Seiteneingang zusammengeschlagen, einer erlitt dabei schwere Verletzungen, ohne dass beide unmittelbar am Geschehen beteiligt gewesen wären.
28. November 1995: das scheinbare Ende. Den schwersten Einbruch in der Geschichte der Flora war sicher der Brand vom 28. November 1995. Im Archiv der Sozialen Bewegungen war ein Feuer ausgebrochen, das das Dach vernichtete und den ersten Stock unbrauchbar machte. Der Grund ist bis heute nicht bekannt; die Bullen schrieben zwar im Abschlussbericht, dass es wohl ein technischer Defekt gewesen sei, konnten aber auch nicht sagen, worin der bestanden haben soll. Dass auch ein Anschlag denkbar ist, belegen ein Loch in der Archivwand und eine aufgebrochene Vokü-Tür. Allerdings fehlt ein Brandbeschleuniger.
Als in der Nacht viele NutzerInnen vor dem Gebäude standen und fassungslos der Feuerwehr bei ihren Löscharbeiten zuschauten, schien das Ende unvermeidlich. Aber mit einer überraschenden Energie wurde sich noch am nächsten Abend dem Wiederaufbau gewidmet. Das Gebäude wurde gleich wieder in Beschlag genommen, im Keller wurde eine Not-Vokü eingerichtet und erste Aufräumarbeiten begonnen. Hierbei half eine unvorstellbare Unterstützungswelle aus der ganzen Republik. Es wurden an die hunderttausend Mark Spenden gesammelt, handwerklich geschickte Leute kamen zum Wiederaufbau, die ersten Arbeiten erfolgten teilweise mit mehreren hundert Personen.
Am zügigsten war die Erstellung des Daches: Noch im Dezember 1995 wurde ein zwar als Notdach bezeichnetes, jedoch sogleich auf Dauer angelegtes Dach gezogen, der erste Stock vom Brandschutt entrümpelt und ein neuer Fussboden gelegt. Die Stimmung, wie so oft bei Bedrohungen von aussen, war besser als in vielen Frustmomenten vorher.
Aber eine solch hohe Mobilisierung lässt sich nur begrenzte Zeit halten. Nach den Weihnachtsferien 1995 blieb die kontinuierliche Arbeit an immer weniger Leuten hängen; 1996 fertiggestellte Räume - wie die Vokü - ermöglichten eine fast normale Nutzung, während der Erste Stock vor sich hinschimmelte.
Die Jahre danach waren eigentlich ständig von irgendwelchen Baumassnahmen begleitet. Baumassnahmen im ersten Stock wurden durch die Besetzungsaktion von IZI 1997 beflügelt, aber erst seit Ende 1998, mit der Rückkehr der Archive in die Flora, wurde der erste Stock wieder im alten Massstab genutzt.
Bauen in der Flora ist ein work in progress. Viele Arbeiten - so die Galerie im Archivraum - wurden dabei von befreundeten HandwerkerInnen vorgenommen, da trotz der Verpflichtung der NutzerInnen zur Bautätigkeit viele Arbeiten nur von Fachleuten erledigt werden können. Dazu gehört auch der grösste Schritt nach dem Brand: es wurde eine Gasheizung installiert, die inzwischen das gesamte Gebäude fast schon mollig warm hält.
- Streit wegen einer Elterngruppe, die in der Roten Flora einen Raum, ggf. Dachaufstockung, zur Kinderbetreuung nutzen und dafür Leute gegen Lohn anstellen will. Die Gruppe gibt ihre Pläne auf, da in der Roten Flora der Grundsatz gilt: "Keine bezahlte Arbeit".
- 07.1995 Die Bürgerschaft beschliesst Senatsdrucksache zum Sanierungsgebiet: Sanierung ist wichtig, wegen der "Gefahr einer Verschärfung sozialer Konflikte".
- Erstmals nimmt der Senat öffentlich zur Kenntnis, dass seit 1989 die Flora als Stadtteilkulturzentrum genutzt wird und dass hierfür ein Bedarf besteht.
- Am 28.11.1995 brennt das Archiv der Sozialen Bewegungen und im Zuge dessen das gesamte 1. Stockwerk komplett aus. Das Feuer wird in einer siebenstündigen Aktion gelöscht. Die Beamten der Feuerwehr geben später zu Protokoll, dass die Terrassentür und sämtliche Verbindungstüren bis zum ersten Stock standen offen und es befand sich ein Loch in der Wand neben der Tür zum Archiv, durch das sie einsteigen konnte. Die Polizei geht im Widerspruch dazu von einem technischen Defekt aus und verhängt über die Feuerwehr ein Kontaktverbot mit uns. Die Innenbehörden signalisiert ihre Friedensabsicht und Unterstützung z.B. durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten.
- Nur unter der Bedingung eines Orts- und Fototermins spendet uns die GAL Hamburg 5.000,00 DM.
- Die Feuerkasse genehmigt noch etwa 350.000,00 DM für die restliche Brandsanierung. Ihre Statuten legen aber fest, dass die Gelder nur freigegeben werden, wenn ein Stadtteilzentrum nach bestimmten formalen Kriterien entsteht. Wenn dies passiert - was schätzungsweise 2 Millionen DM kosten soll - würden diese Gelder beigesteuert. Ansonsten liegen sie 10 Jahre auf Abruf bereit.
- 20.000,00 DM Clubprämie von der Kulturbehörde für ein aussergewöhnliches Kulturprogramm im Jahre 1995.
1996
- Frühjahr 1996 Der Wiederaufbau der Roten Flora geht weiter.
- 02.1996 Der Vokü-Betrieb wird wieder aufgenommen.
- 03.1996 Die erste Veranstaltung und der erste Dub-Club nach dem Brand finden in der Roten Flora statt. Ab Mai läuft wieder reguläres Programm.Landfriedensbruch
- Sommer 1996 Mit der Verdrängung der Drogenszene vom Hauptbahnhof ins Schanzenviertel beginnt im Stadtteil die Diskussion um die Drogenszene.
- 07.1996 FDP-Politiker Rainer Lettow fragt das Bezirksamt Altona, ob die Flora Steuern für ihre Vergnügungen zahlt. Listigerweise war er vorher in der Roten Flora und erfuhr, dass es ein "Freiraum" sei. Eine neue Runde in der Gegenkampagne war eingeläutet.
1997
- 04.1997 Die Gruppe IZI erklärt die Flora für besetzt, um Platz für von der Abschiebung bedrohte Flüchtlinge zu schaffen und baut sich im ersten Stock Räume aus. Im Juni zieht sich IZI im Streit aus der Roten Flora zurück.
- Sommer 1997 Die Drogenszene verlagert sich im Laufe des Jahres aufgrund stärker werdenden Drucks vom Schanzenpark ins Viertel und an die Flora.
- 12.1997 Der V-Mann "Stefan" in der Siebdruckgruppe wird enttarnt, nachdem er das Frauenklo gekachelt hat.
- Strukturelle Krise in der Roten Flora. Immer weniger Delegierte erscheinen au dem Orga-Rat, die Politik und Arbeit im Haus leiden extrem darunter.
1998
- Frühjahr 1998 Die Polizeikontrollen und Platzverweise um die Flora nehmen ständig zu.
- 04.1998 Unter der Vokü-Terrasse wird der 1997 errichtete, provisorische Druckraum von der Polizei abgerissen und wieder errichtet; er ist bis heute in Nutzung.
- 04.1998 Vermummte überfallen vor der Roten Flora einen Streifenwagen und setzen ihn in Brand. Tage vorher war ein Ziviwagen angegriffen, beschädigt und seine Insassen schwer verängstigt worden.
- Sommer 1998 Demonstrative Frühstücke gegen Razzien und Platzverweise werden vor der Roten Flora veranstaltet.
- 10.1998 Paper-Move: Das Archiv zieht wieder in die Flora zurück.
- 11.1998 Wieder Vermummte, wieder ein Streifenwagen, der Brandsatz zündet nicht.
- 11.1998 Das Plenum tritt wieder an die Stelle des Orgarats.
1999
- 02.1999 "Aktionstag gegen Rassismus, Sicherheitswahn und staatliche Drogenpolitik" bringt noch einmal die Frage der Vertreibungspolitik ins öffentliche Bewusstsein. Gegen diese Haltung gibt es auch erhebliche Vorbehalte aus dem Schanzenviertel.
- 05.1999 Die Bildzeitung veröffentlicht Artikel: "Kaffee, Curry und Krawall-Videos". Die Verleihung der "Roten Feder" (für solidarische Berichterstattung) durch Flora-Aktivisten scheitert an der Sturheit der RedakteurInnen.
- 09.1999 Die längere Zeit auch in der Zeck geführte Diskussion um die richtige Nutzung des Seiteneinganges ("zweiter Druckraum") wird faktisch entschieden: Die Tür wird vorgezogen, der wettergeschützte Raum entfällt.
- 10.1999 Bezirksamt Altona bestimmt die Patriotische Gesellschaft als Vermittler zwischen Stadt und Flora.
2000
- Frühjahr 2000 Der Wunsch des Senats, die Flora zu legalisieren intensiviert die Diskussionen um Verträge und Verhandlungen
- 30.04.2000 Im Folge einer Reclaim The Streets-Party gibt es vor der Roten Flora Auseinandersetzungen mit der Polizei, Barrikaden und Kühlschränke brannten, und die Polizei versuchte, die Ansammlung immer wieder unter Knüppeleinsatz zu zersprengen. Dabei gab es mehrere Schwerverletzte. Nach einigem Hin und Her umstellte ein starkes Polizeiaufgebot die Flora und forderte die ca. 120 Eingeschlossenen auf, das Haus zu verlassen, zwecks Personalienaufnahme und gegebenenfalls Festnahme. Morgens um 7 Uhr entschlossen sich die Menschen in der Roten Flora, herauszukommen, alle wurden in Gewahrsam genommen.
- 05.2000 Im Anschluss an die Ereignisse kommt es zu einer wochenlangen Pressehetze gegen die Rote Flora. Wir danken insbesondere der Bild-Zeitung für die Aufmerksamkeit. Die CDU fordert erneut die Räumung der Rote Flora
- 10.2000 Das Bezirksamt Altona schickt der Roten Flora den Entwurf eines Nutzungsvertrages.
- 12.2000 Interne Diskussionen über Verträglichkeit der Rote Flora
2001
- Ole von Beust (Spitzenkanditat der CDU) gibt vor der Roten Flora eine Pressekonferenz, wird mit Konfetti und Luftschlangen empfangen und frenetisch angefeuert. 2 Std. später präsentiert die Polizei ihren Fuhrpark vor der Roten Flora, um ein Transparent mit der Aufschrift "OLE HALT´S MAUL. CDU-LEITKULTUR-RASSISTEN VERPISST EUCH!" zu beschlagnahmen.
- Die Rote Flora wird von der Stadt zu einem symbolischen Preis und mit Auflagen der Erhaltung eines Stadtteilkulturzentrums für 10 Jahre an den Immobilienbetreiber und -investor Hans-Martin Kretschmar verkauft
2002
- 08.2002 Der Konflikt mit dem Freien Sender Kombinat wirft in Form eines vorläufigen Hausverbots auch seinen Schatten auf die Flora sowie auf die Zeck, die vorübergehend eingestellt wird
- 08.2002 Abendblatt bedauert den Mangel an Krawall im Artikel "Rote Flora - tote Flora"
- 11.2002 Bambule Räumung beschäftigt ganz Hamburg und somit auch die Flora
2003
- Das zweite Mal in der Geschichte der Roten Flora ist Polizei im Haus. Während der Vokü wird die Flora umstellt, alle im Haus befindlichen verlassen kollektiv das Gebäude, anschliessend besichtigt der Einsatzleiter die dann leere Flora
- 03.2003 Plakatwand gegen Olympiabewerbung wird nachdem sie kaum einen Tag hängt von grossen Polizeiaufgebot mit schwarzer Farbe übermalt
- 08.2003 Nach einem Strassenfest werden Feuer auf der Strasse von grossem Polizeiaufgebot gelöscht
- 08.2003 Das FSK Hausverbot vom Vorjahr wird wieder ausser Kraft gesetzt
- 12.2003 Regierung stürzen zeigt erste Erfolge: Bürgermeiser kündigt vorzeitige Neuwahlen an
