Wer mit Autokraten marschiert, wird niemals in einer befreiten Gesellschaft ankommen!
Am Samstag, dem 17. Mai 2025, versuchte eine Nakba-Demo - wesentlich getragen von antisemitischen, ultranationalistischen und autoritären Gruppen - eine Extrarunde über das Schulterblatt zur Roten Flora zu drehen. Die Flora wird seit Oktober 2023 wie viele andere linke Zentren, Projekte und Einzelpersonen gezielt als Feind markiert.
Gruppen wie "Flora für Alle" und "Thawra" betreiben kontinuierliche Kampagnen gegen die Flora. Dazu gehörten Inszenierungen wie die "Balkonbesetzung" (Mai 2024), Demonstrationen vor dem Haus, gezielte Falschbehauptungen, mediale und zuletzt auch tätliche Angriffe. Wenn autoritäre Strukturen ihre Energie auf derartige Angriffe verwenden und uns zur Projektionsfläche für eine "antideutsche" Fantasiefigur machen wollen, wird letztlich ein ideologisches Spiel mit klarer Agenda betrieben.
Als "friedensbewegter" Aktivismus gerechtfertigt, wird mit Einschüchterung, Übergriffen und Gewaltdrohungen gearbeitet. Es wird versucht Veranstaltungen zu infiltrieren, Menschen ungefragt abzufilmen, wir werden mit Aussagen wie "euch die Arme brechen" an der Tür bedroht. Dieses anti-emanzipatorische Verhalten ist unvereinbar mit unserem politischen Selbstverständnis und fordert uns zur Verteidigung auf.
Die Behauptungen der Autoritären, "die" Rote Flora habe irgendeinen Einfluss auf "den" Nahostkonflikt, erscheinen zunächst als lächerliche Rhetorik, sind aber Teil einer bewussten Strategie. Die Strategie, uns und andere autonome antiautoritäre Linke als "Antideutsche" zu labeln, zielt darauf, unsere klare Haltung gegen Judenmord und Antisemitismus zu diskreditieren.
Dieses Schauspiel funktioniert gut für Instagram und Social Media - dort, wo einfache Bilder zwingend sind. Dieses Prinzip entwertet aber jede solidarische Praxis mit den Menschen in Gaza, in der Westbank, in Israel. Und sie trifft letztlich jede Form unabhängiger linker Politik und Subkultur. Was bleibt, ist die Propaganda autoritärer, nationalistischer, gewaltverherrlichender Gruppen, die Opfer und Grausamkeiten für ihren eigenen Kampf um Macht, Deutungshoheit und Einfluss instrumentalisieren.
Wir werden nicht zulassen, dass derartige Gruppen unter irgendeinem Anschein von Frieden und Befreiung versuchen, unsere selbstverwalteten Räume zu unterwandern und unsere Besucher*innen einzuschüchtern. Wir werden unsere Positionen auch an der Tür verteidigen.Seit 36 Jahren sind wir hier. Selbstorganisiert. Autonom. Solidarisch. Antifaschistisch. Hausbesetzer*innen. Hinter uns liegen sechs Bürgermeister, Häuserkämpfe, Hundertschaften, Schill, Kretschmer und G20. Wer in Zeiten des autoritären Rollbacks und rechter Formierung bereit ist, den Fortbestand dieses Projekts für die eigene Agenda zu riskieren, der*die soll sich erklären. Wir sind keine Bühne für ihre Selbstinszenierung, keine leere Fläche für ihre Projektionen.
Wer uns angreift, soll nicht auf Höflichkeiten hoffen.
Die israelische Regierung setzt auf extrem rechte, nationalistische Militarisierung. Sie behauptet so die Bevölkerung zu schützen - aber wir sehen: das Töten und die Kriegsverbrechen in Gaza gehen weiter und die Geiseln sind bis heute nicht befreit. Ungeachtet dessen bleibt für uns klar: Die Hamas ist keine Befreiungsbewegung. Sie ist eine religiös-faschistische Organisation. Sie setzt auf autoritäre Kontrolle, nicht auf Emanzipation. Sie braucht den Krieg zur Legitimation ihrer Gewalt. Wer sich mit ihr solidarisiert, macht sich blind für ihren Inhalt. Wer ihre Symbole trägt, normalisiert ihre Politik.
Wir sind solidarisch mit den Menschen - in Israel wie in Gaza und der Westbank. Wir stehen mit denen, die sich gegen den Krieg und für ein gutes Leben für alle einsetzen. Unsere Solidarität gilt nicht Regimen, Milizen oder Regierungen, sondern denen, die versuchen, gegen die Gewaltverhältnisse zu bestehen.
Für das Leben - gegen euren Tod. Jin Jiyan Azadi. Gegen eure Märtyrer-Romantik.
Kein Staat befreit. Keine Miliz emanzipiert.
Solidarität heisst nicht: Seite wählen.
Solidarität heisst: sich der Vereinnahmung entziehen.
Keine Fahne.Kein Mythos. Keine Held*innen.
Es bleibt dabei:
Die Geiseln zurück nach Israel.
Sofortiger Waffenstillstand.
Die Rückgabe politischer Sprache an die, die nicht marschieren wollen.
Der Notstand darf kein Dauerzustand sein - für niemanden.
Keine Befreiung durch Befehl.
Keine Emanzipation durch Gehorsam.
Keine Zukunft unter Fahnen.
Plenum der Roten Flora
