Die Revolution ist grossartig. Alles andere sind Runde Tische
Was ist eigentlich der Stand in der Roten Flora?
Seit dem 07.09.1992 steht die Flora in Gesprächen mit dem Senat über die Legalisierung der Flora. Nachdem das Gebäude am 01.11.1989, also vor genau 3 Jahren, für besetzt erklärt wurde, gab es diverse Angebote zu Gesprächen. Die hartnäckigsten von Seiten der STEG, die vom Senat den Auftrag dazu bekam. Aus bekannten Gründen lehnten wir damals dies ab (siehe Flugblatt "kein Weg mit der STEG").
Ein wesentlicher Punkt war unsere Forderung, wenn überhaupt. dann nur mit politisch Verantwortlichen zu sprechen. Nach langem Schweigen erhielten wir dann am 10.8.1992 einen Brief der Senatorin Traute Muller yon der Stadtentwicklungsbehörde mit dem Angebot, direkt mit ihnen zu verhandeln.
Warum überhaupt Verhandlungen über eine Legalisierung?
Der Streit für oder wider eines Vertrages ist so alt wie die Besetzung selbst. Es gab grundsätzliche GegnerInnen genauso wie BefürworterInnen. Daher konnte auch Konsens erzielt werden. Einig waren wir uns an dem Punkt, nicht von uns aus einen Vertrag von der Stadt zu fordern. Es war uns aber auch klar, dass der Senat dies irgendwann wieder zum Thema machen wird.
Seit der ersten Diskussion vor 3 Jahren his heute hat sich die Position Einzelner verändert. Trotz periodisch wiederkehrender Vertragsdiskussion sind die Argumente meist die selben geblieben. Es haben sich aber Grundsätze herausgebildet, von denen wir nicht abweichen werden. So sind
- Beibehaltung der Selbstbestimmungsstruktur
- keine bezahlten Stellen
- Übernahme der Renovierungskosten in voller Höhe und
- keine Einflussmöglichkeit des Senates bei der inhaltlichen Arbeit der Flora
Punkte, von denen wir nicht abrücken werden. Auf dieser Basis sahen wir uns auch in der Lage, uns auf die Gespräche einzulassen. Dabei ist aber nach wie vor nicht klar, ob es zur Unterzeichnung eines Vertrages kommen wird!
Beim ersten Gespräch mit Traute Müller plus Anhang hat die Senatsseite noch eine sehr harte Linie gefahren. So stand die Forderung nach der Abtretung der ersten Etage an eine Kindertagesstätte im Raum. Dies war Ihrer Aussage nach eine Bedingung des Senats. Wir denken, dass dies von der Hoffnung getragen war, dass wir eine Zusammenarbeit mit Kindern grundsätzlich ablehnen würden, um daran dann ähnlich wie bei der Parkräumung eine Räumung der Flora öffentlichkeitswirksam rechtfertigen zu können. Für uns ist eine Zusammenarbeit mit Kinderinitiativen aus dem Stadtteil durchaus vorstellbar, was wir ihr gegenüber auch um Ausdruck gebracht haben. Interessant ist allerdings, warum Muller gerade jetzt mit einer derartigen Initiative auf den Plan tritt. Die Forderung nach Räumen wird bereits seit Jahren von allen Organisationen, die mit Kindern arbeiten, erhoben. Nicht zuletzt wurde versucht z.B. auf den Laue-Gelände Räume für eine Kita oder ähnliches zu bekommen, was aber immer abgeschmettert wurde.
Der Bedarf ist ihnen seit Jahren klar und an der Flora hängen sie sich jetzt aus dem Fenster. Das hat sicherlich mit den o.g. Gründen zu tun. Zum anderen denken wir auch, dass der Senat sich damit an der Flora hervorragend profilieren kann. Die Gespräche mit der Flora gehen gross durch die Presse, wobei es ihnen nur recht sein kann, wenn dabei ihr Rumgereite auf Räumen für Kinder zum Ausdruck kommt. Zumal es sich hier um einen Stadtteil handelt, den der Senat zum sozialen Brennpunkt erklärt hat. Ähnlich wie z.B. in Duhlsberg schwebt ihnen sicher auch im Schanzenviertel eine Stadtteilkonferenz vor. Anders ist es nicht zu erklären, warum Müller Feuer und Flamme von unserem Vorschlag war, gemeinsam mit dem Kinderinitiativen den Bedarf zu klären. Wir werden dies aber zunächst ohne sie machen. Eine öffentlichkeitswirksame Funktionalisierung der Flora, z.B. Flora und STEB lädt zum "Runden Tisch", darf es nicht geben.
Des weiteren haben wir auch klargemacht, dass die Vergabe ganzer Räume an einen separaten Träger konzeptionell nicht mit der Struktur der Flora zu vereinbaren ist. Bei der Begehung der Flora durch den Senat haben sich dann Eltern und eine Kinderini geäussert, die sich eine Arbeit in der Flora und eine Mitarbeit an unseren Strukturen vorstellen können. Beim zweiten Gespräch war dann die Frage nach einem separaten Träger vom Tisch. Nach wie vor will der Senat aber geklärt haben, wie eine konkrete Form der Arbeit mit Kindern aussehen kann. Wenn es darüber eine Einigung geben sollte, wird dies unserer Einschätzung nach auch Inhalt eines Vertrages sein.
Ein wesentlicher Punkt ist für uns dabei, dass die Räume, in denen mit Kindern gearbeitet wird, auch für eine andere Nutzung z.B. für Gruppentreffen offen bleiben müssen. Allerdings gibt es tagsüber im oberen Stock genug Möglichkeiten, Angebote für Kinder zu schaffen. Mittlerweile treffen wir uns mit Gruppen und Einzelpersonen aus dem Stadtteil, um Ideen zu sammeln, wie dies konkret aussehen könnte. Diese werden dann in die Gespräche einfliessen. Eine Einigung darüber wird einen wichtigen Einfluss auf den Ausgang der Gespräche nehmen.
Nach wie vor sind aber auch eine Reihe anderer Fragen ungeklärt.
Der Senat seinerseits drängt sehr auf Zeit. Zum einen sei Traute Müller dem Senat gegenüber innerhalb einer gewissen Zeitspanne Rechenschaft pflichtig darüber, ob es weiterhin Sinn macht, mit uns zu verhandeln und zum anderen müssten wir zu einem Ergebnis kommen, um für 1993 noch Gelder beantragen zu können. Für uns ist es aber notwendig, alle Fragen, die in den Gesprächen diskutiert wurden, auf dem Plenum mit allen zu entscheiden. Die Zeit nehmen wir uns auch. Alles andere wäre ein Witz, zumal in den Verhandlungen nur Delegierte sitzen. Trotzdem haben wir zugestimmt, Arbeitsgruppen zu bilden, um spezielle Fragen zu klären. So haben wir uns mit der Stadtteilzentrumsbeauftragten der Kulturbehörde, Margarete Wulf, getroffen. Dabei ging es vor allem darum, von ihr Aussagen zur Flora zu bekommen. Unter anderem dazu, was für sie zur Ausstattung eines Zentrums gehört. Es war für uns auch wichtig zu erfahren, ob es schon einmal Versuche gegeben hat, einen fremden Träger in ein Zentrum zu bekommen, was sie verneinte. Es war schon beinahe unangenehm wie fantastisch sie uns findet. Sie sieht auf jeden Fall alle Kriterien des Senats für ein Stadtteilzentrum gegeben und hat uns ihre Unterstützung (ähem) zugesagt.
